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Egal ob in einschlägigen TV-Shows wie „Die Höhle der Löwen“ oder „Shark-Tank“, in Podcasts wie dem OMR-Podcast oder auch in Zeitschriften wie t3n – der Begriff Start-up begegnet uns alltäglich. Als ich persönlich jedoch zum ersten Mal den Begriff Scale-up gehört habe, konnte ich recht wenig mit der Bedeutung anfangen. Zumindest habe ich vermutet, dass es wohl etwas mit skalieren oder vergrößern zu tun haben muss (damit lag ich übrigens nicht vollkommen falsch). Was genau hinter dem Begriff steckt schauen wir uns im Folgenden genauer an.

Start-up und Scale-up sind keine Synonyme, sie beschreiben viel mehr zwei verschiedene Phasen des Unternehmenswachstums.  

Start-up

Ein Startup ist ein Unternehmen in der Anfangsphase und befasst sich hauptsächlich mit der Suche nach dem Product-Market-Fit. Es experimentiert mit der Kundensegmentierung und arbeitet auf einen positiven Deckungsbeitrag hin.

Scale-up

Ein Scale-up hingegen kennt seinen Product-Market-Fit. Es hat diesen auf seinem Zielmarkt validiert, nachgewiesen und agiert bereits nachhaltig wirtschaftlich. Der Fokus bei einem Scale-up liegt dabei auf einem schnellen und effizienten Wachstum.

Start-up & Scale-up: Die Unterschiede im Detail

Jedes Unternehmen besitzt viele individuelle Besonderheiten. Dennoch kann man anhand der folgenden sieben Charakteristiken gut erkennen, wie sich Start-ups und Scale-ups grundsätzlich unterscheiden:

1 – Product-Market Fit

Im Product-Market Fit liegt der wohl markanteste Unterschied. Scale-ups haben ihn perfektioniert, Start-ups sind noch auf der Suche nach ihrem „perfect fit“ und experimentieren beispielsweise hinsichtlich der Kundensegmente, -Akquisition, Kosten und Produkteigenschaften.

Scale-ups haben bereits die wirtschaftliche Tragfähigkeit ihrer Produkte validieren können und wissen genau welche Einnahmen sie für welchen Einsatz zu erwarten haben. Startups hingegen sind meist noch unsicher, welche Art von Ertrag sie aus ihren Bemühungen generieren werden.  

2 – Finanzierungsphase

Da sich beide Unternehmen in unterschiedlichen Wachstumsphasen befinden, ist es nicht verwunderlich, dass sich beide auch hinsichtlich der Finanzierungsphase unterscheiden. Start-ups besitzen in der Regel entweder keine Finanzierung, eine Seed-Finanzierung oder werden durch ein Series-A Investment gestützt.

Ein Unternehmen befindet sich in der Regel in der Scale-up Kategorie, sobald es seine zweite Finanzierungsrunde beginnt. Durchschnittlich hat das Unternehmen in dieser Phase bereits Investments in Höhe von drei bis fünf Millionen Euro eingenommen.

3 – Rollen der Teammitglieder

Gerade in der frühen Phase der Unternehmensgründung ist es nicht unüblich, dass Team-Mitglieder mehrere Aufgabenbereiche gleichzeitig übernehmen. Neue Probleme, Aufgaben und Herausforderungen müssen aufgrund der fehlenden klaren Strukturierung vom Team kurzfristig aufgefangen und auf die wenigen Mitarbeiter verteilt werden. Aus den dadurch gemachten Erfahrungen werden schließlich Strategien, Abläufe und Strukturen für die Weiterentwicklung des Start-ups abgeleitet.

Scale-ups besitzen hingegen bereits erste Strukturen und verteilen klare Team-Rollen. Sales und Marketing in einer Person findet man in Scale-ups eher selten.

4 – Risikoaversion

Je größer ein Unternehmen wird, umso risikoaverser handelt es. Start-ups besitzen zunächst einen kleinen Kundenstamm, ein unerprobtes Produkt und meist auch zero-traction (keine Relevanz) am Markt – kurzum hat es an diesem Entwicklungspunkt wenig zu verlieren, aber viel zu gewinnen. Im Gegenteil: Die Erfolgsaussichten für junge Start-ups hängen stark von der Fähigkeit ab, schnell zu agieren und Kundenfeedback, -daten und Ideen in das Produkt einzuflechten.

Scale-ups müssen hingegen den Erwartungen von Investoren, Kunden und Mitarbeitern gerecht werden. Der Fokus liegt hier vor allem auf schnellem Wachstum. Je mehr Geld im Spiel ist, desto bedachter muss bei der Vorstellung neuer Ideen vorgegangen werden.  

5 – Management Hierarchie

Start-ups & Scale-ups besitzen völlig unterschiedliche Führungsanforderungen. Einfach ausgedrückt: Je mehr Mitarbeiter eingestellt werden, desto mehr Mitarbeiter müssen gemanagt werden. Start-ups bestehen in der Regel meist aus Teams mit nicht mehr als 20 Mitarbeitern. In diesem Bereich sind die Gründer noch in der Lage das gesamte Team zu leiten und zu koordinieren. Mit steigender Mitarbeiterzahl nehmen jedoch Führungsaufwände und -komplexität deutlich zu.

Je höher die Anzahl der Abteilungen, Schnittstellen und Mitarbeiter im Unternehmen ist, desto mehr Spielraum entsteht für Fehler bei der Übergabe von Projekten. Im schlimmsten Fall führt dies zu einer höheren Mitarbeiterfluktuation und zu einer sinkenden Arbeitsmoral. Dadurch sinkt die Produktivität.

Scale-ups steuern diesem Risiko entgegen, in dem neue Führungskräfte mit Erfahrung in der Unternehmensführung eingestellt werden. Dadurch werden Kompetenzen wie die Überwachung von Kennzahlen, Quoten und Prozessen vom Gründer-Team abgegeben und der Fokus kann auf die Skalierung des Unternehmens gelegt werden. Außerdem nehmen Teamevents und Rituale zu, die die MA glücklich machen und langfristigzu einer Mitarbeiterbindung beitragen. Den Kickertisch und ein bequemes Sofa hingegen findet man sowohl im Coworking Space eines Start-ups als auch im Office eines Scale-ups.  

6 – Prozesse & Abläufe

Start-ups befinden sich hinsichtlich der Prozesse & Abläufe noch in einer Experimentierphase. Mitarbeitern wird hier oft eine gewisse Freiheit gegeben, wie sie Aufgaben lösen können (beispielsweise eine Social Media Kampagne entwerfen). Die Herangehensweise kann dabei bei jedem Mal etwas anders aussehen. Optimalerweise dokumentiert der Mitarbeiter nach mehrmaligen Versuchen den Prozess, um diesen replizieren oder an neue Teammitglieder weitergeben zu können.

Scale-ups besitzen im Gegensatz zu Start-ups organisierte Prozesse und Abläufe. Diese sind unerlässlich, um die Qualitätskontrolle aufrecht zu erhalten, KPIs zu erreichen und Projekte firstgerecht abschließen zu können.

7 – Onboarding Prozess

Das klassische Onboarding ist für Start-ups ein Fremdwort. Meist werden neue Mitarbeiter direkt mit wesentlichen operativen Aufgaben betraut, ohne einen umfangreichen Einarbeitungsprozess zu durchlaufen – eine Hands-On-Mentalität ist hier besonders gefragt. Gerade durch die kleine Teamgröße arbeiten alle Mitarbeiter eng zusammen und bekommen so schnell einen Überblick, was bei den anderen auf dem Schreibtisch liegt.

Scale-ups sind bereits deutlich größer und komplexer hinsichtlich ihrer Organisationsstruktur. Um alle neuen Mitarbeiter gleichermaßen abzuholen und ihnen einen Überblick hinsichtlich der Abteilungen, Geschäftsziele und kulturellen Werte des Unternehmens zu geben, gibt es klar definierte Onboarding-Prozesse.

Die zehnwichtigsten Meilensteine vom Start-up zum Scale-up

Während der Entwicklung eines Start-ups zu einem Scale-up erreicht das Unternehmen unterschiedliche Meilensteine. Die britische Bank Barclays hat hierzu in einer Studie die bedeutendsten Meilensteine auf dem Weg vom Start-up zum Scale-upidentifiziert:

1.  Umzug in größere Büros oder einen größeren Laden.

2.  Start-up erfährt einen rasanten Zuwachs an Kunden.

3.  Livegang einer neuen Webseite.

4.  Ausbau & Entwicklung der Präsenz in den Sozialen Medien.

5.  Investitionen in die Customer Experience anstatt nur in das Produkt.

6.  Der Beginn international zu Handeln.

7.  Implementierung zuverlässigerer Zahlungssysteme im Rahmen des steigenden Transaktionsvolumens.

8.  Zusammenarbeit mit einem Finanzexperten für das Managen der Geschäftskonten.

9.  Anstellung eines Personalberaters für die Rekrutierung und Bindung qualifizierter Mitarbeiter.

10. Auffrischung des Erscheinungsbildes der Marke, beispielsweise durch die Einführung eines neuen Logos.

Der Weg von einem Start-up zu einem Scale-up ist steinig. Lediglich 4 % der deutschen Start-ups schaffen die Transformation zu einem Scale-up. Von den aktuell ca. 70.000 existierenden Start-ups in Deutschland schaffen demnach nur lediglich ungefähr 2.800 junge Unternehmen diesen Entwicklungsschritt. Dabei tragen gerade Scale-ups, also wachstumsstarke Unternehmen, wesentlich zur Schaffung von Arbeitsplätzen, Steuereinnahmen und dem allgemeinen Wohlstand bei.

Es wäre also keine Überraschung dem Begriff künftig häufiger über den Weg zu laufen.

Wir beim digihub möchten uns den Herausforderungen von reiferen Start-ups stellen und bieten jüngst eine Umfrage für Scale-ups an. Hier können sie uns ihren aktuellen Status und ihre Bedarfe mitteilen, damit wir daraus konkrete Maßnahmen ableiten können. Unser Ziel ist die Förderung und Unterstützung von Scale-ups, mit einem Format, das zu ihren Bedürfnissen passt. Im Februar stellen wir die Ergebnisse der Umfrage in einer Studie vor.

Melde dich gerne bei uns, wenn du ein Scale-up bist und Teil der Studie werden möchtest, unter: scaleup-umfrage@digihub.de

Wir freuen uns auf den Austausch mit dir.

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