GREEN FOR ME: Die Welt ein bisschen grüner machen

Obwohl ich in einer Großstadt lebe, habe ich das Glück, einen Garten mein Eigen zu nennen. Allerdings liegt der im Hinterhof, umgeben von fünf Etagen hohen Wohnhäusern. Ich habe es beobachtet: Von Mai bis August gibt es hinten rechts in der Ecke ein etwa zwei mal zwei Meter großes Quadrat, das ungefähr vier Stunden Sonne am Tag abbekommt. Der Rest liegt in ewiger Dunkelheit.

Ha – Hilfe naht: Das Startup „GREEN FOR ME" unterstützt Garten-Loser wie mich bei ihrem Traum vom Grün. Das Team um Julia Hack hat bei der letzten Ignition-Runde gewonnen und weitere drei Monate Förderung abgestaubt. Im Interview lässt sie uns an ihren bisherigen Erfahrungen in der Startup-Welt teilhaben und verrät, worauf es beim Gründen ankommt.

1. Hallo liebe Julia! Wie erklärst du deiner Oma, was ihr macht?

Liebe Omi, ich weiß, du kennst dich mit Pflanzen aus und liebst deinen Garten. Junge Menschen allerdings haben heutzutage oft keine Ahnung davon. Außerdem haben die meisten auch gar keine Zeit mehr, sich damit auseinanderzusetzen. Deswegen haben mein Team und ich eine Art Roboter entwickelt, der herausfindet, was du magst und was dein Garten hergibt. Der Roboter entwickelt dann automatisch ein Pflanzen-Konzept, was genau zu dir passt. Hinter dem Roboter stecken professionelle Gartengestalter, die das Konzept entwickeln. Da blüht dann was im Frühling, Sommer und Herbst. Du erhältst im nächsten Schritt eine Einkaufsliste und weißt genau, wie viele von den Pflanzen du für deine Quadratmeter benötigst. So machen wir die Welt ein bisschen grüner.

2. Wie ist die Idee zu „GREEN FOR ME“ entstanden?

Die Idee ist aus der eigenen Not entstanden. Meine Mitgründerin, Nathalie, hat sich vor einem Jahr eine Wohnung mit Garten gekauft und stand vor der Aufgabe, diesen zu gestalten. Nathalie hatte absolut keinen Plan von Pflanzen und hat viel im Internet recherchiert. Dabei hat sie festgestellt, dass es kaum ein ansprechendes Angebot für sie gab. Pflanzen-Online-Shops haben ihr wenig Inspiration geboten und eine Filterung nach Stauden und Gehölzen – sie hatte zu dem Zeitpunkt keine Ahnung, was das war – waren wenig hilfreich. Sie ist schließlich auf Pinterest gelandet und hat dort viele schöne Bilder gefunden und konnte sich ihren Garten bildlich vorstellen. Gewappnet mit den Bildern ist sie dann ins Gartencenter, um dort festzustellen, dass ihre Vorstellungen völlig unrealistisch waren. Dann bin ich ins Spiel gekommen, Nathalie hat mich angerufen und um Hilfe gebeten. Ich habe früher neben der Schule und dem Studium in einer Gärtnerei gearbeitet und meine Mutter ist ebenfalls in der Branche tätig. Nathalies Kauferlebnis war wahnsinnig zeitaufwendig und unergiebig, genau das wollen wir nun mit „GREEN FOR ME“ ändern.

3. Was gab den Ausschlag, die Sache ernst werden zu lassen und ein Startup zu gründen?

Wir haben bestimmt ein Jahr recherchiert und geplant, neben unserem Job. Irgendwann sind wir dann an dem Punkt angelangt, wo wir gesagt haben, entweder gehen wir das nun richtig an oder lassen es sein. Auf der Startup-Woche in Düsseldorf haben wir uns über Fördermittel informiert und sind durch einen Berater, Kai Thierhoff, zufällig auf das Ignition-Programm aufmerksam geworden. Wir hatten noch eine Woche für die Bewerbung und dann ging alles ganz schnell. Das Programm hat wortwörtlich unsere Idee gezündet und uns einen wesentlichen Schub gegeben.

4. Wer ist noch im Team und welche Skills haben die Teammitglieder?

Nathalie ist meine Mitgründerin, wir haben uns bei der Arbeit kennengelernt. Dort haben wir zwei Jahre miteinander im Team gearbeitet und festgestellt, dass wir gut harmonieren und uns wahnsinnig ergänzen. Sie ist ein wahres Energiebündel, ist gut im Netzwerken und ein sehr designaffiner Mensch, was ausschlaggebend für das Branding von „Green for me“ ist. Ich mag gerne strategische Dinge und bin schnell für Marketingtrends zu begeistern.
Mirko, Iris, Tanja und Ana haben das Team die letzten drei Monate ergänzt. Mirko ist unser Programmierer und 24/7 für uns erreichbar, er arbeitet ganz nach dem Motto „geht nicht –gibt’s nicht“ und konnte bis jetzt jeden Wunsch von uns umsetzen. Iris ist leidenschaftliche Landschaftsarchitektin und Bloggerin, sie plant unsere Pflanzkonzepte. Tanja war der „Perfect Match“. Sie hat von Anfang an verstanden, was wir wollten und konnte unsere Vision von Branding und Webdesign zu 100 Prozent umsetzen. Ana, als User-Experience-Designerin, hat mit uns strategisch das Produkt entwickelt und die Wege auf der Webseite optimal erstellt. Und Wahnsinn ist, dass uns unsere Familie und Freunde nicht nur mental unterstützen, sondern tatsächlich auch am Produkt mitarbeiten – das pusht enorm.

5. Was waren bisher die wichtigsten Learnings, die du aus der ersten Ignition-Runde mitnehmen konntest?

Hier meine drei wichtigsten Erkenntnisse: Das Produkt aus Sicht der Zielgruppe zu formen und mit der Zielgruppe zusammen am Produkt zu arbeiten.
Manchmal muss man einfach anfangen und sich trauen, nicht zu viel nachdenken.
Nicht zu früh einen detaillierten Business Plan schreiben: Das Produkt verändert sich am Anfang noch oft.

6. Hat sich euer Konzept seit der ersten Idee verändert und wenn ja, wie?

Ja, unser Konzept hat sich sehr seit der ersten Idee verändert. Zu Beginn haben wir den Fokus auf die Inspiration gelegt. Jedoch haben unsere Recherchen ergeben, dass das Wissen das viel größere Problem von Kunden ist. Pflanzen sind beratungsintensive Produkte, dahinter steckt viel Planung und Wissen. Nicht umsonst kann man Landschaftsarchitektur studieren. Wir möchten den Kunden nicht ein schönes Bild verkaufen, sondern einen realistischen Garten ermöglichen, der zu ihrem Lebensstil passt.

7. Was sind aktuell die größten Herausforderungen?

Die größte Herausforderung war und ist immer noch, die Sicherung des eigenen Lebensunterhaltes. In der Gründungsphase verdienen wir noch kein Geld.

8. Was war der schönste Moment in der Gründungsphase?

Wir haben noch nicht gegründet und stecken noch mittendrin. Für mich persönlich der schönste Moment war vermutlich, als wir die Zusage für die erste Ignition-Runde erhalten haben. Freitag hatte ich gekündigt und montags drauf haben wir die Zusage vom digihub erhalten.

9. Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Wir haben durch Ignition unseren ersten Prototypen entwickelt, den wir nun in der zweiten Förderungsphase ausbauen und monetarisieren. Unseren Online-Berater möchten wir zu Beginn der Gartensaison 2018 fertig haben, dann kannst du damit gleich deinen schattigen Garten planen. ;-)

10. Wie ist deine Erfahrung in der Zusammenarbeit mit „etablierten“ Unternehmen?

Die Gartenbranche ist oft sehr konservativ, das ein oder andere Mal mussten wir uns anhören: „Was ihr da vorhabt, ist unmöglich.“ Aber mindestens genauso oft haben wir Menschen getroffen, die sofort begeistert waren und uns unterstützt haben und mitwirken wollen.

11. Wie beurteilst du die Startup-Szene in Düsseldorf und was wünschst du dir noch?

Dafür, dass Düsseldorf nur knapp 600.000 Einwohner hat, gibt es viele Startup-Events in der Stadt und Umgebung. Man könnte wahrscheinlich jeden Tag auf eine Veranstaltung gehen, wenn man die Zeit hätte. Die Szene ist dennoch überschaubar und man trifft oft dieselben Menschen. Wir sind positiv überrascht, wie viele Menschen einen unterstützen und Tipps geben. Wir würden uns noch mehr Förderprogramme, wie z.B. das Ignition-Programm wünschen, die etwas weniger bürokratischen Aufwand erfordern.

12. Welche drei Skills sollte ein Gründer deiner Meinung nach unbedingt haben?

Mut, sich zu trauen seine Komfortzone zu verlassen und anderen Menschen von der Idee zu erzählen, Durchhaltevermögen, wenn es mal nicht so gut läuft und Standfestigkeit, um sich nicht vom Weg abbringen zu lassen. Jeder hat eine Meinung zu deinem Produkt und weiß es besser. Besonders am Anfang fand ich es schwierig auszusortieren, welcher Input hilfreich ist und welcher nicht.

13. Wenn du Startups und Gründern noch einen Tipp geben könntest, was wäre das?

Ich glaube, dass man im Team immer stärker ist als alleine, als Einzelkämpfer.
Es kommt auf die Kombi an, ein gutes Team ist mehr wert als man denkt und muss auch Krisen etc. überstehen können. Sonst bringt die beste Idee nichts. Außerdem sollte man seine Idee sofort darauf prüfen, ob man damit wirklich ein Kundenproblem löst.

14. Und zuletzt: Hast du jetzt schon Tipps für mich und meinen Hinterhof-Garten?

Klar – ich glaube du solltest dir erst einmal die Frage stellen, wieviel Zeit du für die Pflege in deinen Garten investieren kannst und möchtest. Ein bunter, blühender Garten bedeutet oft auch eine Menge Arbeit, nichtsdestotrotz geht auch schon viel mit wenig Aufwand. Wichtig zu wissen wäre auch, wann genau am Tag du die 4 Stunden Sonne hast, morgens, mittags, nachmittags oder abends? Außerdem ist eine kurze Bodenanalyse wesentlich – hast du einen trockenen, feuchten oder normalen Boden? Das kann man ganz leicht in ein paar Minuten herausfinden, das werden wir dann auch in unserem Online-Berater erklären. Zu guter Letzt hängt auch viel von deinen Vorstellungen ab, sollten die Pflanzen in deinem Garten essbar sein? Magst du einen wilden oder minimalistischen Stil? Ich persönlich mag gerne Funkien und Farne, die sich gut für den Schatten eignen, in Kombination mit etwas Blühendem, was dann auch bienenfreundlich ist und dem Insektensterben entgegen wirkt ;-)

Vielen Dank, liebe Julia, für das Interview!

Auf der Website von „GREEN FOR ME“ kannst du dich in den Newsletter eintragen. Dann bekommst du eine Nachricht, wenn es soweit ist und die langersehnte Gartenhilfe endlich da ist. Ich drücke die Daumen, dass es nicht mehr lange dauert – mein Garten und ich freuen uns drauf!

Das Interview führte Frida.